Biographie

Viele der biographischen Daten über Eugène Ionesco sind für den Anfang seiner Schaffenszeit kaum exakt zu bestimmen. Eugène Ionesco wies auf Anfragen darauf hin, dass es sich um persönliche Daten handele, die lediglich ihn ("und leider die Polizei" - O-Ton Eugène Ionesco) interessierten. Für die Kenntnis literarischer Werke, so Ionesco, reiche die Lektüre seiner "Tagebücher".

1909 - 1934

1909: Ionesco wird am 26. November (13. November nach dem orthodoxen Kalender) in Slatina (Rumänien) geboren. Das häufig genannte Geburtsdatum 1912 hat Ionesco in Paris angegeben, um als Neuling in der Theaterszene zu den Jüngeren zu gehören.

1913-1925: Ionesco lebt mit seiner Mutter in Frankreich, überwiegend in Paris.

1916: Ionescos Vater kehrt nach Rumänien, das gerade in den Krieg eingetreten ist, zurück. Ionesco sieht in seinen jungen Jahren regelmäßig (jeden Donnerstag) das Puppentheater im Jardin du Luxembourg.

1917: Ionescos Vater, von dem man zunächst vermutete, dass er im Krieg gefallen war, heiratet erneut. Der Vater begab sich stets auf die Seite der "Macht", gleichgültig welcher Couleur. Nicht zuletzt aus diesem Grunde war das Verhältnis Ionescos zu seinem Vater dauerhaft angespannt.

1917-1919: Aufgrund seiner labilen gesundheitlichen Verfassung wird Ionesco von seiner Mutter zusammen mit seiner kleinen Schwester Marilina (1911 geboren) nach La Chapelle Anthenaise aufs Land geschickt. In seinen Tagebüchern beschreibt Ionesco diese Zeit als die friedvollste und harmonischste seines Lebens.

1925: Heimkehr nach Rumänien, Besuch des Gymnasiums Stantul Sava.

1928: Abitur an der "lycée de Craiova".

1929: Eugène schreibt sich an der Universität Bukarest ein (französische Sprache und Literatur).

1930: Erste Veröffentlichung in der Zeitschrift "Zodiac" (Artikel über Ilarie Voronca).

1931: "Elegien auf winzige Wesen" (Gedichtband). Ionesco entdeckt den Surrealismus.

1934: Essaysammlung "Nu" (Nein).

1935 - 1952

1936: Heirat mit Rodica Burlanu und Tod der Mutter. Ionesco wird darüber hinaus zum ersten Mal mit dem aufkommenden Faschismus in den Straßen von Bukarest konfrontiert.

1937: Gymnasiallehrer in Bukarest.

1938: Stipendium für ein Studium in Paris - Ionesco verlässt Rumänien. Die beabsichtigte Dissertation über " Sünde und Tod in der französischen Dichtung seit Baudelaire hat Ionesco nie abgeschlossen. Später sagt Ionesco hierzu: "Ich habe diese Dissertation in Form von Theater geschrieben". Auf die Frage, ob er "Der König stirbt" meine, entgegnete Ionesco: "Ich meine alle meine Stücke." (Quelle: Biographie Rowohlt-Verlag) In Paris findet Ionesco Gefallen an Werken von Emmanuel Mounier, Berdiaev, Jacques Maritain und Gabriel Marcel.

1939-1942: Ionesco reist nach Rumänien und kann aufgrund der beginnenden Kriegswirren erst später als geplant ("einige Wochen") nach Frankreich zurückkehren. Zurück in Frankreich, wohnt Ionesco zunächst im "Hôtel de la Poste" in Marseille.

1944: Geburt der Tochter Marie-France.

1945: Korrektor in einem Verlag für Verwaltungspublikationen in Paris. Ionesco zieht in die 38, rue Claude-Terrasse, Paris 16e.

1948: November: Ionescos Vater stirbt.

1948-1949: Niederschrift "Die kahle Sängerin".

1950: 11. Mai: Uraufführung von "La Cantatrice chauve" (Die kahle Sängerin) im Théâtre des Noctambules (Regie: Nicolas Bataille).

1951: 20. Februar: Uraufführung von "La Leçon" (Die Unterrichtsstunde) im Théâtre de Poche-Montparnasse.

1952: 22. April: Uraufführung von "Les Chaises" (Die Stühle) im Théâtre du Nouveau Lancry. 7. Oktober: "La Cantatrice chauve" und "La Leçon" werden erstmalig zusammen am Théâtre de la Huchette aufgeführt (bis zum 26. April 1993). Ionesco wird Mitglied des "Collège de pataphysique".

1953 - 1965

1953: 26. Februar: Uraufführung von "Victimes du devoir" (Opfer der Pflicht) im Théâtre du Quartier-Latin.

1954: Uraufführung von "Amédée ou comment s'en débarrasser" (Amédée oder wie wird man ihn los) im Théâtre de Babylone.

1955: 5. Oktober: Uraufführung von "Le Tableau" (Das Gemälde) im Théâtre de la Huchette. 15. Oktober: Uraufführung in Helsinki (auf schwedisch) von "Le Nouveau Locataire" (Der neue Mieter).

1956: 20. Februar: Uraufführung von "L'Impromptu de l'Alma" (Impromptu oder der Hirt und sein Chamäleon) im Studio des Champs-Élysées.

1957: 16. Februar: Neuaufnahme der beiden Stücke "La Cantatrice chauve" und "La Leçon" im Théâtre de la Huchette, wo sie bis heute ununterbrochen zusammen aufgeführt werden (Ende 1987 insgesamt 10.000 Aufführungen!). 23. Juni: Uraufführung von "L'Avenir est dans les oeufs" (Die Zukunft liegt in den Eiern oder Wie fruchtbar ist der kleinste Kreis) im Théâtre de la Cité Universitaire. 10. September: Französische Uraufführung von "Le Nouveau Locataire" in Paris.

1959: 23. Juni: Uraufführung von "Tueur sans gage" (Mörder ohne Bezahlung) im Théâtre Récamier. 31. Oktober: Uraufführung von "Rhinocéros" (Die Nashörner) in Düsseldorf.

1960: 20. Januar: Französische Uraufführung von "Rhinocéros" in Paris am Odéon-Théâtre de France. 28. April: Englische Erstaufführung am Royal Court Theatre in London (Regie: Orson Welles; Behringer: Sir Laurence Olivier).
Ionesco wohnt von 1960 bis 1964 in der 14, rue de Rivoli, Paris 1er.

1962: 15. Dezember: Uraufführung von "Le Roi se meurt" (Der König stirbt) im Théâtre de l'Alliance. 15. Dezember: Uraufführung von "Le Piéton de l'air" (Fußgänger der Luft) in Düsseldorf.

1963: 8. Februar: Französische Erstaufführung von "Le Piéton de l'air" im Odéon-Théâtre de France in Paris.

1964: 30. Dezember: Uraufführung von "La Soif et la Faim" (Hunger und Durst) in Düsseldorf.

1965: 28. Februar: Französische Erstaufführung von "La Soif et la Faim" in der Comédie Française in Paris.

1966 - 1994

1969: Dezember: Grand Prix national du théâtre.

1970: Ionesco wird "Chevalier" der Ehrenlegion (Légion d'Honneur) und erhält den österreichischen Grand Prix der europäischen Literatur. 24. Januar: Uraufführung von "Jeux de Massacre" (Das große Massakerspiel) in Düsseldorf (Titel: "Triumpf des Todes"). 11. September: Französische Erstaufführung im Théâtre de Montparnasse in Paris.

1971: 4. Januar: WDR-Uraufführung des Fernsehspiels "La Vase" (Der Schlamm). 25. Februar: Ionesco wird in die "Académie Française" aufgenommen.

1972: 2. Februar: Uraufführung von "Macbett" im Théâtre Rive-Gauche. Ionesco hält die Eröffnungsrede der Salzburger Festspiele.

1973: 30. April: Ionesco empfängt den Preis von Jerusalem für sein Gesamtwerk sowie insbesondere für sein Stück "Die Nashörner". 14. November: Uraufführung von "Ce formidable bordel" (Welch gigantischer Schwindel) im Théâtre Moderne.

1975: Uraufführung von "L'Homme aux valises" im Théâtre de l'Atelier.

1979: Weltrekord am Théâtre de la Huchette: Ununterbrochene Aufführung von "La Cantatrice chauve" und "La Leçon" seit mehr als 22 Jahren. Der bis dato gültige Rekord von 22 Jahren wurde gehalten von Agatha Christie ("Die Mausefalle").

1980: Uraufführung von "Voyages chez les Morts" (Reise zu den Toten) im Guggenheimtheater in New York.

1983: Ionesco spielt auf einer Gala für Amnesty International in "Freshwater" von Virginia Woolf mit Nathalie Sarraute und Alain Robbe-Grillet u.a.

1984: Ernennung zum "Officier" der Ehrenlegion.

1985: 22. Juli: Uraufführung der Oper "Le Roi Bérenger" von Heinrich Suttermeister. Libretto nach dem Text von "Le roi se meurt".

1987: 7. Oktober: Uraufführung der Oper "Maximilien Kolbe" in Rimini, Komponist Dominique Probst, Libretto von Ionesco.

1989: Gesundheitliche Probleme hindern Ionesco daran, sich persönlich für die Menschenrechte in Rumänien einzusetzen.

1991: Ionescos "Théâtre complet" (Gesammelte Werke) werden in die ruhmreiche "Bibliothèque de la Pléiade" aufgenommen. In die Bibliothek aufgenommenen Werke werden in einem sehr edlen Einband mit ebensolchem Papier angeboten. Ionesco ist 1991 der erste lebende Schriftsteller, dem diese Ehre zuteil wurde.

1994: 28. März: Eugène Ionesco stirbt in seiner Pariser Wohnung.
Eugène Ionesco wird auf dem "Cimetière de Montparnasse" beerdigt (ALLEE LENOIR - 6e Division). Seine letzte Botschaft auf dem Grabstein: "Prier le Je Ne Sais Qui - j'espère: Jésus-Christ."